Interview: Selenskyj zu Treffen mit Putin bei G20-Gipfel in Miami bereit
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist nach eigenen Angaben zu einem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin bereit, sollten beide Politiker zu einem G20-Gipfel in die USA eingeladen werden. "Wir müssen uns treffen, miteinander sprechen und Entscheidungen treffen", sagte Selenskyj in einem am Samstag veröffentlichten Interview mit der Deutschen Welle (DW).
"Es geht nicht um Worte", sagte Selenskyj in dem Interview, das am Freitag in Kanada geführt wurde. "Was ich ihm sagen werde oder was er mir sagen will, spielt keine Rolle", sagte Selenskyj mit Blick auf Putin. Er fügte hinzu: "Was zählt, ist das Ergebnis."
Die USA haben in diesem Jahr den Vorsitz der G20-Gruppe inne. Im Dezember findet in Miami im Bundesstaat Florida der Gipfel der G20-Staats- und -Regierungschefs statt. US-Präsident Donald Trump hatte im April gesagt, eine Teilnahme Russlands wäre "wahrscheinlich sehr hilfreich". Seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs in der Ukraine im Februar 2022 haben sich Putin und Selenskyj nicht persönlich getroffen.
In die diplomatischen Bemühungen um ein Ende der Kampfhandlungen ist nach einer langen Pause kürzlich wieder Schwung gekommen: In einem neuen Vorstoß Washingtons reisten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am vergangenen Wochenende zu politischen Gesprächen nach Moskau und Kiew.
Den Besuch der US-Gesandten nannte Selenskyj in dem DW-Interview "ein gutes Signal". Die Ukraine sei an der Front viel stärker als noch im vergangenen Jahr, Moskau dagegen zahle einen "hohen Preis" für kleine Erfolge. "Deshalb glauben wir, dass wir uns jetzt in einer guten Verhandlungsposition befinden", betonte der ukrainische Präsident.
Bei seinem Besuch in Kanada hatte Selenskyj erklärt, er plane Ende September noch ein Treffen mit Trump in New York. Die Ukraine benötigt eigenen Angaben zufolge dringend eine bessere Luftverteidigung - insbesondere US-Patriot-Systeme, die ballistische Raketen abfangen können. Angesichts des bevorstehenden Winters fürchtet Kiew massive Schäden durch russische Angriffe auf ihre Energieinfrastruktur wie bereits im vergangenen Jahr.
Auf die Frage, ob die USA genügend Raketen bereitstellen würden, sagte Selenskyj: "Sie haben den politischen Willen zu verkaufen und zu helfen, aber die Produktion ist nicht allzu groß."
E.Lokelani--HStB