Neue Antisemitismusbeauftragte beklagt offen gelebten Judenhass in Deutschland
Die neue Antisemitismusbeauftragte Katharina von Schnurbein hat beklagt, dass Judenhass hierzulande teils wieder offen gelebt wird. Deutschland sei an einer Stelle angelangt, "wie es sie seit der Schoah wahrscheinlich nie gab", sagte die Regierungsbeauftragte der "Rheinischen Post" vom Mittwoch. "Antisemitismus wird offen und schamlos verbreitet."
Antisemitismus sei immer da und nie weg gewesen, fügte sie hinzu. "Doch wer heute antisemitische Aussagen macht, befürchtet keine Konsequenzen mehr."
Von Schnurbein tritt an diesem Mittwoch ihr Amt an. Die Politikwissenschaftlerin löst Felix Klein ab, der Ende August nach acht Jahren aus dem Amt geschieden war. Das beim Bundesinnenministerium angesiedelte Amt des oder der Antisemitismusbeauftragten war seitdem unbesetzt. Zuvor war von Schnurbein elf Jahre lang Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission.
Die neue Antisemitismusbeauftragte sieht Deutschland nun in einer Vorreiterrolle im Kampf gegen Judenhass. "Mein langfristiges Ziel ist, jüdisches Leben in Deutschland zu normalisieren, dass man gar nicht groß weiß, ob jemand Jude ist", sagte sie der "Rheinischen Post". "Und nicht zuletzt muss Deutschland bei der Bekämpfung von Antisemitismus auch der europäische Motor werden."
Sie appellierte dabei auch an die "extremen Ränder des politischen Spektrums, also Islamisten, Linke und Rechte". Diese könnten sich grundsätzlich zwar "auf sehr wenig einigen, aber sie können sich auf Antizionismus und Antisemitismus einigen".
E.Lokelani--HStB