Nvidia-Chef Huang fordert von deutscher Wirtschaft Fokus auf KI
Der Chef des Chip-Entwicklers Nvidia, Jensen Huang, hat die deutsche Wirtschaft aufgefordert, sich voll und ganz auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu konzentrieren. Ob Autoindustrie, Medizinforschung oder Finanzbranche, alle Unternehmen "müssen zu KI-Unternehmen werden. Jedes einzelne von ihnen", sagte Huang am Dienstag bei einer von Nvidia ausgerichteten Entwickler-Konferenz in Berlin. Greenpeace protestierte am Rande der Veranstaltung gegen stark gestiegene Treibhausgasemissionen des US-Konzerns.
Huang betonte die Bedeutung der Infrastruktur für den Hochlauf von KI in Deutschland und Europa. "Man will die KI nicht nur nutzen, sondern selbst entwickeln. All das könnten wir hier in Europa tun", sagte er. Doch dafür brauche es die nötige Infrastruktur. Es gebe bereits eine ganze Reihe innovativer Startups in Europa. "Die KI-Wirtschaft in Europa nimmt also Fahrt auf und entwickelt sich rasant weiter."
Gemeinsam mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Huang am Montag hohe Investitionen in Deutschland und eine engere Zusammenarbeit mit der Regierung angekündigt. Die Investitionen sind demnach Teil von insgesamt zehn Milliarden Dollar, die in verschiedene europäische Staaten fließen. Genau Zahlen für Deutschland nannte Nvidia bislang nicht, nannte aber eine Reihe von Startups, die Finanzierung erhalten, darunter Agile Robots aus München und Reflex Aerospace aus Berlin.
Merz will vor allem auf den industriellen Einsatz von KI setzen. Der deutsche Mittelstand biete dafür einen wertvollen Datenschatz. "Bitte öffnen Sie Ihre Türen für die KI, damit diese Ihre Daten nutzen kann", sagte der Kanzler am Montag. "Das ist für die Zukunft Deutschlands von entscheidender Bedeutung." Es sei ein echter Vorteil für Deutschland, wenn all die Daten genutzt würden, die bereits in den Unternehmen verfügbar seien.
Am Dienstag verkündeten zwei weitere Unternehmen Kooperationen mit Nvidia. Der Halbleiterhersteller Infineon will demnach mit dem US-Konzern an einer "800-Volt-Gleichstrom-Architekturen (800 VDC) für KI-Rechenzentren" arbeiten. Das für den Rückbau von alten Atomkraftwerken zuständige Unternehmen PreussenElektra, eine Tochter von Eon, erklärte, zusammen mit Nvidia die Nutzung von ehemaligen Kernkraftwerksstandorten für Rechenzentren zu prüfen.
Nvidia war lange auf leistungsstarke Grafikchips spezialisiert. Mit dem KI-Boom und dem massiv gestiegenen Bedarf an Hochleistungschips für Rechenzentren stieg es zum wertvollsten Unternehmen weltweit auf. In seiner Rede in Berlin stellte Konzernchef-Huang einen deutlich beschleunigten Bau von Rechenzentren in Aussicht. "Wir gehen davon aus, dass wir von etwa vier bis fünf Monaten auf etwa einen Monat kommen."
Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte Nvidia für dessen massiven Ressourcenverbrauch. "Die Chipproduktion verbraucht Unmengen Strom und Wasser, produziert Millionen Tonnen CO2 - und dazu kommt erst noch der Ressourcenverbrauch der Rechenzentren", erklärte der Greenpeace-Sprecher Benjamin Stephan. "Als wichtigstes Unternehmen der KI-Branche trägt Nvidia Mitverantwortung, dass der Boom der Künstlichen Intelligenz nicht zum Klimakollaps führt."
C.Kahananui--HStB